Tropische Zwergseerosen (Teil 12 und Schluß)

von henner 18. August 2011 13:53

Diese Zwergseerosen aus Ruanda müssen erhalten werden:

Wie bereits schon einmal erwähnt, erfolgt die Vermehrung der Zwergseerosen aus Ruanda NUR durch Samen (generative Vermehrung) - eine vegetative Vermehrung (Wurzelteilung) ist nur bei älteren Pflanzen bedingt möglich, aber fast jede zweite Blüte setzt durch Selbstbestäubung bereitwillig Samen an.

Die Samen keimen bereit nach ca. 5 Tagen und stellen mit ca. 24° C Wassertemperatur, in einem leichten Substrat (Lehmerde ca. 60-70% Tonanteile und 30-40% Quarzsand), keine besonderen Kulturansprüche.

 


Nach 6 Wochen haben sich die kleinen Seerosen bereits gut entwickelt.


Nach weiteren 6 Wochen sind die Pflänzchen jetzt 3 Monate alt und können gepflanzt werden.


Diese Pflanze ist jetzt 8 Monate alt und bereits in voller Blüte, es ging also recht schnell!

 

Diese Zwergseerosen sollten auch in Ruanda wieder heimisch werden:

Wie bereits in den Teilen 6 und 8 "Tropische Zwergseerosen" beschrieben ist der Naturstandort wahrscheinlich verloren und durch die momentanen Umweltbedingungen in Ruanda auch nicht einfach wieder zu rekonstruieren.

Falls es zutrifft, dass die Firma CIMENTS DU RWANDA LIMITED (CIMERWA) diesen Lebensraum der Zwergseerosen für die Erweiterung ihrer Zementproduktion zerstört hat, wäre es bestimmt das Beste diesen Naturstandort mithilfe der Firma CIMERWA wieder zu erschaffen.

 

Eine Wiederansiedlung ist vielleicht ein Traum, aber folgende Fakten sprechen vielleicht dafür:

1 . Die heissen Quelle Mashyuza bei Nyakabuye gibt es immer noch und dieses Quellwasser muß auch heute
noch abfließen!

2. Diese Abläufe müßten NUR an geeigneten Stellen (im Uferbereich ca. 100-200 qm nicht mehr) für die
Wiederansiedlung der Zwergseerosen vorbereitet werden!

3. Die Zwergseerosen könnten anschließend für die Wiederansiedlung von der Botanischen Gärten Bonn, Mainz,
Kew Garden und von mir zur Verfügung gestellt werden und es wäre schön, wenn die Firma CIMERWA die
Betreuung es neuen Standort übernehmen würde, denn er liegt ja auch auf ihrem Firmengelände!

 

Bereits heute wirbt die Zementfabrik mit schönen und gepflegten Pflanzen vor der Hauptverwaltung!

Cimerwa

Und bereits im Namen steht der Standort "CIMENTERIE DE MASHYUZA" ( Zementwerk von Mashyuza ) drin und die heissen Quelle Mashyuza bei Nyakabuye sind die angestammte Heimat der Zwergseerosen!

Da dürfte doch die Wiederansiedlung der Zwergseerosen kein grosses Problem darstellen oder ?

Henner


Tropische Zwergseerosen (Teil 10)

von henner 9. Juli 2011 09:17

Porträts der vier Seerosen aus den Abläufen der heißen Quellen Mashyuza in Ruanda
 
Pflanze 1 - die Nymphaea thermarum: Sie wurde schon 1985 gefunden, aber darüber hatte ich ja schon ausführlich berichtet.

 

Pflanze 2 - die kleine blaue Nymphaea: Sie hat noch keinen Namen und ich kann sie natürlich nicht taufen, das müsste schon der Entdecker machen. Die kleine Blaue wurde ca. 200 Höhenmeter unterhalb der heißen Quellen entdeckt und das war im Jahre 1993. Für mich ist es die Schönste der gefundenen kleinen Seerosen. In meiner Kultur bleibt sie von allen Vieren am Kleinsten, aber in der Vermehrungsrate ist sie mit über 100 Samenkörnern pro Frucht und hoher Keimungsrate eine der Größte oder besser gesagt ertragreichsten.

 

Pflanze 3 - die nicht ganz so kleine weiße Nymphaea: Sie wurde ebenfalls im Jahre 1993 in der gleichen Höhenlage wie die Blaue gefunden, aber die Pflanze ist etwas größer und da sie auch selbstbefruchtend ist, bringt fast jede Blüte so um die 60 Samen hervor.

 

Pflanze 4 ist die etwas größere violette Nymphaea: Sie wurde ebenfalls im Jahre 1993 gefunden, entspricht durch ihren Blütenaufbau am ehesten dem Bild einer klassischen tropischen Seerose. Im Jahre 2007 wurde diese Pflanze noch unter der Artenbezeichnung Nymphaea nouchalii im Botanischen Garten in Bonn geführt, mittlerweile (Stand Juli 2011) ist sie zu Nymphaea heudelotii mutiert, aber ich glaube etwas ganz anderes alle 4 Pflanzen gehören zu einer eigenen Art, denn keine der Pflanzen passt so richtig zu den bisher bekannten Arten.

 

Aber es gibt ja noch die anderen Farbvarianten die nur von der kleinen Blauen (Pflanze 2) hervorgebracht werden, aber die Pflanzen stelle ich dann im nächsten Teil vor.......

Henner

 

 


Tropische Zwergseerosen (Teil 8)

von henner 20. Juni 2011 15:13

Das Fundgebiet der Zwergseerosen in Ruanda:

 

Bevor ich von den einzelnen Seerosen berichte möchte ich erst das Resultat meiner Recherche vorstellen. Es war nicht einfach das genaue Fundgebiet der Nymphaea thermarum und der weiteren Zwerge mit Google-Earth zu finden, aber der entscheidene Hinweis fand ich im Expeditionsbericht von Herrn Prof. Dr. Eberhard Fischer:

 

"Taxonomic results of the BRYOTROP-Expedition to Zaire and Rwanda - den Bericht lesen .. PDF-Datei wird geöffnen" (1,24 MB)

 

Hier ist auf der Seite 23 folgender Text zu lesen:
"117, Rwanda, Pref. de Cyangugu, hot springs 9 km NE of Bugarama near Nyakabuye Cement Factory, 1150 m, 19.08.1991 Surroundings of spring (38°C temp.) Nymphaea thermarum, Cyperus spec. A, Cyperus spec. B, Phragmites mauritianus, Crassocephalum spec., Hydroctyle sibthorpioides, Nitella spec., Pluchea ovalis, Asystasia gangetica, Berula erecta"

Übersetzung: 117, Ruanda, Verwaltungsbezirk Cyangugu, heiße Quellen 9 km NordOst von Bugarama in der Nähe von der Nyakabuye-Zementfabrik (Anmerkung: hier ist der Steinbruch gemeint), in 1150 Meter, am 19.08.1991 in der Umgebung der Quellen (38°C Temperatur)  Nymphaea thermarum, Cyperus sec. A, ....... und es folgen die weiteren dort gefunden Pflanzen ...

 

und damit war es möglich diese Stelle mit Google-Earth zu finden, aber diese Bilder sind natürlich nicht aktuell, sie stammen aus dem Jahre 2006 und da war das Biotop im Fundgebiet noch in Ordnung (siehe Bildergallerie).

 

 

Aber zu dieser Zeit hatte die Zementfabrik CIWERA aus Bugarama bereits ihr  Projekt  zur Erweiterung des Steinbruches (Abbaugebiet) fertig geplant :

CIMERWA Cement Project in Muganza, Rusizi District, Western Province RWANDA .. PDF-Datei wird geöffnen (379 KB)

 

unter 2.1. im 2. Absatz steht:

"Das neue Tonbergwerksgebiet wird im Muganza Sektor liegen; ungefähr 2 km vom Werk und dem Kalkstein und Sandstein-Bergwerksgebiete werden im Nyakabuye Sektor an ungefähr 3 km von der Pflanzenseite gelegen..."

Dieses Projekt wurde in den folgenden Jahren umgesetzt und dabei wahrscheinlich der Bachlauf verlegt und den Seerosen der Lebensraum genommen. Doch man kannte auch die Einwirkung auf die Thermalquellen und den Eingriff in die Natur, denn im Abschnitt HYDROLOGY steht folgendes:
"Thermalwasserquellen von Mashyuza entspringen am Fusse des Sandsteinkammes. Die Quellen werden von der einheimischen Bevölkerung zu baden verwendet. Es muss Vorsorgemaßnahmen getroffen werden, dass während des Sprengens und des Bergbaubetriebes, nicht  irgendwelche Felsblocks oder Felsen in die Thermalquelle  fallen."
 und im Abschnitt FLORA kann man folgendes lesen:
"Insgesamt 149 Arten sind im Studiengebiet registriert worden. Die meisten dieser Arten sind einheimisch, während viele andere exotisch oder naturalisiert sind. Insgesamt 13 medizinische Werke wurden registriert. Die gezählten (erfassten) Pflanzenarten schließen 10 bedrohte Arten ein."

 

Hier waren unsere kleinen Seerosen dabei!

 

Aber im nächsten Teil möchte ich von den 3 anderen Seerosen (die kleine Blaue und die zwei anderen Schönheiten) berichten, die im Bachlauf und im angrenzenden Sumpfgebiet gefunden wurden.

Henner


 

 


Tropische Zwergseerosen (Teil 7)

von henner 19. Juni 2011 10:56

Welche Seerose ist nun die kleinste Seerose der Welt?

Die Nymphaea thermarum nimmt diesen Titel seit ein paar Jahren für sich in Anspruch, aber ist dass auch richtig?
Die Voraussetzung zur Beurteilung der Pflanzengröße sind optimale Wachstumsbedingungen und eine mehrjährige Kultur von mehreren Pflanzen. Es gibt 3 Merkmale zur Beurteilung der Pflanzengröße

    - erstes Kriterium: Größe des ausgewachsenen Blattes
    - zweites Kriterium: Größe der Blüte
    - drittes Kriterium: Volumen der ausgewachsenen Pflanze (Höhe und Umfang)

Größe des ausgewachsenen Blattes:
Die Blattgröße der Nymphaea thermarum beträgt locker 8cm Ø, da ist sie nicht die Kleinste. Die Nymphaea tetragona var. nitida Sms. ist kleiner und erst recht das Blatt der kleinen Blauen aus Ruanda, aber auch die Blätter der Nymphaea heudelotii sind mit maximal 3 cm deutlich kleiner. Die nachfolgenden Bilder zeigen den Größenvergleich ohne die Nymphaea heudelotii, denn die kenne ich nur aus der Literatur und besitze kein Vergleichsmaterial.


Kleine, blaue Seerose Blatt

Rückseite

Nymphaea tetragona var. nitida Blatt

Rückseite

Nymphaea thermatum Blatt

Rückseite

Größe der Blüte:
Auch in die kleinste Blüte besitzt nicht die Nymphaea thermarum! Den Platz 1 belegt hier die Nymphaea tetragona und die kleine blaue Seerose aus Ruanda belegt Platz 3, aber sie ist die Schönste der Kandidaten.

Nymphaea tetragona var. nitida

Nymphaea thermarum

Die kleine Blaue

Die Bewertung des Volumens der gesamten Pflanze kann ich leider nicht vornehmen, da alle meine Pflanzen in Behältern gepflegt und auch gepflanzt sind und damit die maximale Ausbreitungsgröße eingeschränkt ist, aber nach meinem Eindruck dürfte die kleine Blaue aus Ruanda auch hier den Vergleich gewinnen. Alle diese kleinen Seerosen erzeugen durch ihre ständige Samenproduktion viele Tochterpflanzen um sich herum, es werden somit in der Natur richtige Pflanzenhorste gebildet und diese Horste enthalten viele Einzelpflanzen.

Das Becken mit Nym. thermarum im Botanischen Garten in Mainz-im nächsten Bild die Pflanze hier VORNE RECHTS

Was soll man nun von den im Internet angezeigten Bilder von der Nymphaea thermarum der kleinsten Seerose der Welt halten? Ganz einfach es zeigt durchweg nur Pflanzen im kleinen Gläschen oder Töpfchen mit sehr wenig oder ohne sichbares Wassser, also eine Art Bonsaikultur, wo die Pflanze in ihrem Überlebensstadium gezeigt wird.


Eine Nymphaea thermarum aus dem Royal Botanic Gardens, Kew


Am ehemaligen Naturstandort der Nymphaea thermarum gibt es von Juni bis September eine Trockenphase und zwei Regenzeiten (Oktober/November und März bis Mai); während dieser Trockenzeit mußten die Pflanzen mit sehr wenig Wasser auskommen und bildet kleine dickfleischig Blätter aus, aber diese Zustand ändert sich bei Erhöhung des Wasserstandes sofort wieder. Die Niederschlagsmenge am Fundort beträgt 1050mm pro Jahr (Deutschland ca. 500-600mm oder 500 bis 600 Liter pro Quadratmeter).
Natürlich spielen die heißen Quellen durch ihren ständigen Wassernachschub auch hier einen wichtigen Beitrag zur Bestandserhaltung während der Trockenphasen, aber man darf davon ausgehen, dass die Quellenschüttung in der Trockenzeit auch etwas zurück geht. 

Im nächsten Teil möchte ich von den 3 anderen Seerosen (die kleine Blaue und die zwei anderen Schönheiten) berichten, die im Bachlauf und im angrenzenden Sumpfgebiet gefunden wurden.

Henner

 

 


Tropische Zwergseerosen (Teil 6)

von henner 8. Juni 2011 10:27

Die einzigartigen Zwergseerosen aus Ruanda dürfen NICHT aussterben:

Die Situation der Zwergseerosen in Ruanda am natürlichen Standort ist katastrophal und erschütternd.
In der Natur sind die Zwerge wahrscheinlich schon seit 2008 Jahren ausgestorben, denn man hat den Bach direkt unterhalb der heißen Quellen umgeleitet und hat somit die gesamte Seerosenpopulation im ehemaligen Bachlauf einfach vertrocknen lassen. Für die einzigartigen, endemischen Seerosen war, dass das Ende, es besteht, vielleicht noch eine geringe Change im ca. 200 Höhenmetern unterhalb der Quelle liegenden Sumpf einige Exemplare zu finden oder das ehemalige Biotop zu renaturieren. Bei einer Renaturierung eines naturnahen Lebensraumes am oder in der Nähe des Fundortes könnte, dann die Population mit Pflanzen aus den botanischen Gärten wieder aufgebaut werden.

Ich befürchte in Ruanda sind viele Pflanzen vom Aussterben bedroht und der Traum von der Renaturierung mit gleichzeitiger Herstellung eines natürlichen Biotops für die Seerosenzwerge ist sehr blauäugig gedacht. Die Situation in Ruanda ist für ein solches Vorhaben äußerst ungünstig, denn die Bevölkerungsdichte ist mit 343 Menschen pro Quadratkilometer die höchste auf dem afrikanischen Kontinent. Ruanda ist ungefähr so groß wie Rheinland-Pfalz hat aber mit doppelt so vielen Einwohnern und diese Bewohner bedrohen die Natur durch:

Landwirtschaft: Rund 90% der Bevölkerung sind Kleinbauern und Selbstversorger mit einem ständig zunehmenden Flächenbedarf. Das gesamte Land ist in staatlichem Besitz und die Bürger haben nur ein Nutzungsrecht. Die meisten Familien bewirtschaften Flächen von weniger als einem Hektar und damit sind alle nutzbaren Flächen in kleine Parzellen aufgeteilt. Die Folge ist eine totale Zersiedlung der Landschaft mit allen negativen Folgeerscheinungen für die Natur.

Zebu-Rind: Eine weitere schwere Belastung sind die Zebu-Rinder, denn eine möglichst große Herde Zebus gilt in Ruanda als Ausdruck von Wohlstand und somit werden Tausende von großen und kleinen Herden zum Weiden von bezahlten Hirten kreuz und quer durch die Landschaft getrieben.

Abholzung: Das Holz stellt mit über 90% die einzige vorhandene Energiequelle für die Bevölkerung da – die Folge ist rasante Abholzung der Wald- und Baumbestände.

Die Situation der Zwergseerosen außerhalb Ruanda:

Es gibt meines Wissens nach an den Standorten Bonn, Mainz, London und bei mir ca. 60 Pflanzen der Nymphaea thermarum und von den Hybriden wahrscheinlich nur ca. 20 Pflanzen oder weniger. Der Grund für dieses Ungleichgewicht ist der Anspruch der botanischen Gärten nur reinrassige Arten und keine Bastarde zu pflegen. Vielleicht kann KEW GARDENS (ROYAL BOTANIC GARDENS) in England der seit 2009 einige Exemplare aus Bonn pflegt und vermehrt die Nymphaea thermarum dauerhaft erhalten. Auf jeden Fall besitzt KEW GARDENS mit seinem Gärtner Carlos Magdalena einen enthusiastischen Seerosengärtner, der bereit so ca. 30 Pflanzen der Nymphaea thermarum in Pflege hat. Es besteht im Moment also nur die Möglichkeit diese Pflanze in den botanischen Gärten am Leben zu erhalten und falls es Herr Prof. Fischer, KEW GARDENS oder anderen Persönlichkeiten gelingt das Biotop und eine Renaturierung in Ruanda zu erreichen, um so besser.

Sicherlich wird NUR die Nymphaea thermarum mit Anspruch oder Markenzeichen, die kleinste Seerose der Welt zu sein, in den botanischen Gärten am Leben erhalten. Meiner Meinung nach ist sie garnicht die Kleinste, aber darüber im nächsten Teil……
Henner


Tropische Zwergseerosen (Teil 5)

von henner 26. Mai 2011 15:45

Die Kultur und die Vermehrung der  kleinen Seerosen aus Ruanda:

Momentan habe ich 4 Jahre Erfahrung in der Kultur und Vermehrung der kleinen Seerosen aus Ruanda und mein heutiger Stand lautet wie folgt:

WASSER: Die Pflanzen entwickeln sich am Besten im harten (kalkhaltigen) Wasser mein Wert beträgt ca. 16°dGH (Grad deutscher Härte) - weiches Wasser unter 10°dGH mögen sie überhaupt nicht. Bei mir wurden die Blätter gelb und die Pflanze stellte das Wachstum total ein. PH-Wert neutral bis in den alkalischen Bereich PH 8+ ist ok.

TEMPERATUR: Die Pflanzen gedeihen ab >20° C, aber einen besseren Blütenansatz erzielt man erst ab 25°C. Bei niedrigeren Wassertemperatur von ca. 18°C werden keine Schwimmblätter mehr gebildetm und nur noch relativ grosse, weiche Unterwasserblätter.

PFLANZTIEFE: Bei Nymphaea thermarum ist dieser Wert relativ unkritisch, da die Pflanze mit 0,5 cm bis 15 cm Wassertiefe zufrieden ist,aber bei geringer Wassertiefe bildet Nymphaea thermarum recht dicke Luftblätter und dafür braucht die Pflanze ein hohe Luftfeuchte von 100%, sonst vertrocknen sehr schnell die Blätter. Die anderen Geschwister in den Farben blau, violett, rosa und weiß bekommen bei mir mehrere cm-Wassertiefe angeboten und wachsen ohne Probleme. Ich pflege auch Nymphaea thermarum bei ca. 6 cm Wassertiefe.

PFLANZSUBSTRAT: Den besten Pflanzenwachstum erzielte ich mit Lehmerde aus ca. 60-70% Tonanteile und 30-40% Quarzsand. Getopft habe ich die Kleinen in Tonblumentöpfe 10 - 14 cm oder kleine Plastik-Pflanzkörbe.

VERMEHRUNG: Die Vermehrung der kleinen Seerosen aus Ruanda erfolgt NUR durch Samen (generativen Vermehrung) - eine vegetative Vermehrung (Wurzelteilung) ist NICHT möglich. Fast jede zweite Blüte ( Selbstbestäubung) setzt bereitwillig Samen an.

Zwischen 50 bis 70 Samen enthält die Samenkapsel einer Zwergseerose aus Ruanda!

Die Samen keimen überall und die Vermehrungsrate ist enorm!

Somit ist es eigentlich schade, dass diese Zwergseerosen nicht durch intensive Vermehrung und Vermarktung weiter und nachhaltig am Leben erhalten werden. Auf jeden Fall ist das genetische Material der Kleinen einzigartig und von unschätzbaren Wert.

Doch wie kann man die einzigartigen Zwergseerosen aus Ruanda vor dem Aussterben retten und wie heißt nun eigentlich die kleinste Seerose der Welt? - Diese Themen in den nächsten Teilen .....


Tropische Zwergseerosen (Teil 4)

von henner 17. Mai 2011 14:37

Die erste Überraschung:
Ich hatte bisher ohne Probleme die gesamten Bonner Seerosenkinder am Leben erhalten und zum Teil auch zum übigen Blühen gebracht, aber es kam noch eine Überraschung auf mich zu.

Es blühten in reicher Fülle die kleinen blauen Zwergseerosen und eigentlich sind diese Pflanzen auch am einfachsten zu pflegen.

Die Blauen zeigen schöne Blüten

Die weiße Zwergseerosen blühen nur vereinzelt

und nun die Überraschung eine rosa Zwergseerose - ich war sehr überrascht.

Was war geschehen - ein Ableger hatte im November erstmal geblüht und zwar ROSA und diese Pflanze blühte bis heute Mai 2011 in Rosa. Das war schon eine Überraschung.

Eine weitere Überraschung war die Vermehrungrate der Zwerge! Alle Farben waren selbstfruchtend und setzten somit bei einigen Blüten Samen an, aber dazu im nächsten Teil....

Henner

 


Tropische Zwergseerose (Teil 3)

von henner 10. Mai 2011 10:10

 

Die Entwicklung der Ableger und die erste Blüte:

Ich war ganz begeistert von diesen wertvollen Seerosenraritäten aus dem Botanischen Garten der UNI Bonn und hatte nun die Aufgabe diese teilweise winzigen Ableger am Leben zu erhalten, aber wie? In meinem tropischen Seerosen-Zimmerteich wurde erstmals in einer Ecke Platz gemacht und dort zogen die Seerosenableger aus Bonn ein.

Die Kinderstube am 4. September 2007 Foto Henner Breukel 

Sie begannen zu wachsen am 4. September 2007 Foto Henner Breukel

Wie pflegt man solche Seerosenraritäten, denn es gab eigentlich nur die Kulturumgebung im Warmhaus in Bonn als Pflegehinweis und Beispiel, aber ständig 80%  Luftfeuchtigkeit und ca. 28°C Luft-/Wassertemperatur ist nicht einfach herzustellen und auf die Dauer auch teuer. Wichtig war auch das Licht wo wuchsen diese Winzlinge, ich hatte nur die Information Bachlauf in Ruanda und ich suche überall im Internet nach Informationen, aber leider ohne Erfolg. Ein Brief und mehrere Emails an den Entdecker der Seerosen Prof. Dr. Eberhard Fischer  blieben leider alle unbeantwortet. Im Archiv der Johannes Gutenberg-Universität Mainz habe ich alle Berichte und Dokumentationen über die Erforschung der Flora und Vegetation in den Bergregenwäldern des Nyungwe-Nationalpark gelesen und teilweise kopiert, aber über Nymphaea thermarum steht nur recht wenig und über den Fundort der kleinen Blauen war in den Bonnerunterlagen folgendes zu lesen: "Ruanda, Pref. Cyangugu, heiße Quelle Mashyuza bei Nyakabuye – Höhe 1000 m  Sammler E. Fischer am 9.10.1993"

Es beschäftigten mich so Fragen wie:

1. Größe und Art des Gewässers z.B. Fließgeschwindigkeit, Uferbeschaffenheit und das Substrat der Pflanzen
2. Höhe des Wasserspiegels, trockenfallen, was passiert dort zu den Regenzeiten
3. Temperatur und Mineralgehalt des Wassers
4. Lichtverhältnisse am Fundort (volle Sonne, öfter Wolken, unter Bäumen)
5. Temperatur der Luft (auch bei Nacht max./min.)
6. und die wichtigste Frage in welcher Wassertiefe leben die Seerosen

Also vertraute ich auf meine gesammelte Erfahrung und besuchte den Botanischen Garten der UNI Mainz - hier einige Bilder des übigen Bestandes:

Nympaea thermarum im Botanischen Garten der UNI Mainz am 3. Oktober 2007  - Fotos Henner Breukel

Nympaea thermarum steht im Botanischen Garten der UNI Mainz im Sumpf- und Wasserpflanzenhaus in normalen 14 cm Tonblumentöpfen und das Wasserbecken ist ca. 1 qm groß. Wassertemparatur am Besuchstag 22°C, 14 Grad Wasserhärte und der PH-Wert betrug 7. Das Gewächshaus dürfte so um 1960 erbaut sein (Einfachglas) und es gab keine künstliche Beleuchtung, also sehr einfache Bedingungen.

Somit waren meine Kulturbedingungen vollkommen in Ordnung und man siehe die Bonnerecke hatte sich gut entwickelt, wie man auf den nächsten beiden Fotos sieht, den die erste Blüte war am 3.10.2007  erblüht.

Die Kinderstube am 3.Oktober 2007 Foto Henner Breukel


Die erste Blüte am 3.Oktober 2007 Foto Henner Breukel

Fortsetzung folgt.....

Henner Breukel


Tropische Zwergseerosen (Teil 2)

von henner 5. Mai 2011 15:27

Der Besuch in Bonn und die kleine blaue Seerose:

Es war im Mai 2007 da besuchte mein Seerosenfreund Dieter Bechthold den Botanischen Garten in Bonn und schrieb mir eine Email mit folgendem Text und diesen Bilder:

"Ein ähnliches Highlight hatte ich bei meinem Besuch im botanischen Garten in Bonn. In einer Halle werden dort auch einige tropische Seerosen präsentiert. Besonders fielen mir zwei ganz kleine Seerosen auf. So kleine Seerosen hatte ich bisher noch nie gesehen. Das besondere ist aber, dass beide Seerosen Samen bilden, tagblühend sind und im Schwimmblatt keine tropischen Merkmale zeigen. Die kleine weiße Seerose ist eine Nymphaea thermarum, die kleine blaue Seerose ist unbekannt und stammt von einer Reise des Leiters des Botanischen Gartens."

 

Nymphaea thermarum in Bonn Mai 2007 Foto von Dieter Bechtholt

Nymphaea spec. (die kleine Blaue) in Bonn Mai 2007 Foto von Dieter Bechtholt

"Leider wollte der zuständige Gartenmeister keinen Ableger rausrücken, aber ich habe eine offizielle Anfrage an den Leiter des Botanischen Gartens gestartet. Mal sehen! Im Botanischen Garten züchtet man nicht und daher ist die Samenbildung uninteressant. Es würde mich natürlich sehr reizen, diese kleine blaue Seerose mit winterharten Sorten zu kreuzen!"

Dieter Bechthold bekam eine Einladung zu einem Gespräch mit den verantwortlichen Personen und Experten des Botanischen Gartens und der UNI in Bonn und ich durfte ihn begleiten. An dem Gespräch im Warmhaus des Botanischen Gartens in Bonn nahmen am Freitag den 31.08.2007 folgende Personen teil:

1. Prof. Dr. Wilhelm Barthlott Direktor am Botanischen Institut und des Botanischen Gartens,
2. Dr. Wolfram Lobin Kustos der Botanischen Gärten,
3. Prof. Thomas Borsch Biodiversity and Evolution of Plants Working Group Director, Oldenburg University Botanical Garden Carl von Ossietzky Universität Oldenburg,
4. Dr. Cornelia Löhne Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Botanischen Institut des Botanischen Gartens
5. Bernd Reinken Gärtnermeister und zuständig für das Warmhaus des Botanischen Gartens
6. Dieter Bechthold
7 .und ich Henner Breukel

Es war ein interessantes Fachgespräch und wir erfuhren, dass im weiteren Verlauf des Baches (Fundort der Nymphaea thermarum) drei weitere Seerosen gefunden wurden. Nymphaea nouchallii  und zwei unbekannte kleine Seerosen waren in diesem Bachlauf ebenfalls heimisch und man gehe davon aus, dass die kleine Blaue und die kleine Weiße aus einer Kreuzung N. nouchallii x N. thermarum entstanden sind. Zu unserer Freude erhielten wir je einen Ableger der Nymphaea thermarum,  Nymphaea spec. (BLAU) und Nymphaea spec. (WEISS) zur Pflege, Kreuzungsversuche und Arterhaltung geschenkt.

Nymphaea thermarum - Fotos Henner Breukel vom Besuch in Bonn

Ein sicheres Erkennungszeichen ist der überlappende Blatteinschnitt von Nymphaea thermarum - Foto Henner Breukel vom Besuch in Bonn

Der Ableger der Nymphaea thermarum für Dieter Bechthold  - Foto Henner Breukel vom Besuch in Bonn

Was ist aus meiner Nymphaea thermarum:

Aus dem Ableger habe ich bis heute (Mai 2011) 9 Pflanzen gezogen. Die Vermehrung erfolgt ausschließlich mit Samen und ist eigentlich recht einfach, falls man Nymphaea thermarum zum Blühen bekommt. Sie ist nicht gerade ein Blühwunder oder meine Kulturbedingungen sind eingeschränkt, denn ich pflege noch andere Ratitäten. Trotzdem möchte ich behaupten ich trage zur Erhaltung dieser kleinen Kostbarkeit bei, aber die eigentlichen Kostbarkeiten waren die beiden unbekannten Zwergseerosen.

Die kleine Blaue  - Fotos Henner Breukel vom Besuch in Bonn

Die kleine Blaue hat eine deutlich gespeizten Blatteinschnitt  - Foto Henner Breukel vom Besuch in Bonn

Leider habe ich von der weissen Zwergseerose keine Bilder in Bonn gemacht, aber ich habe von beiden Raritäten ein paar winzige Ableger bekommen und ich war Happy!

Im Teil 3 werde ich über  die Entwicklung der Ableger der Zwergseerosen berichten ....

Henner Breukel


Tropische Zwergseerosen (Teil 1)

von henner 3. Mai 2011 12:51

Die Entdeckung der Nymphaea thermarum:

Tropische Zwergseerosen sind sehr selten und eigentlich war bis 1987 nur Nymphaea heudelotii var. nana Planch - syn. baumii als sehr kleine tropische Seerose bekannt. Nymphaea heudelotii kommt in Südwestafrika - um den 18. Breiten- und Längengrad vor und wurde erstmalig, bei Minnesera am Longa-Fluss im heutigen Angola, in einem 20 bis 30 cm tiefen Graben bei einer Wassertemperatur von 32° C in Gesellschaft mit Nymphaea sulphurea gefunden. Eingeführt wurde sie von ihrem Entdecker dem deutschen Botanikers Hugo BAUM (1867 - 1950) im Jahre 1902. Sie galt bis 1987 als die kleinste aller tropischen Nymphaeen!

Die Blüte von Nymphaea heudelotii ist sehr klein, ca. 2-3 cm Ø und auch die Blätter haben nur 2-3 cm Ø

 

Seit dem Jahre 1987 hat nun Nymphaea heudelotii Konkurrenz. Es wurde eine weitere sehr kleinbleibende Art Nymphaea thermarum von Prof. Dr. Eberhard Fischer in Ruanda entdeckt. Nymphaea thermarum ist eine sehr seltene und endemische Art. Bei der Entdeckung gab es nur ca. hundert Pflanzen und nur an diesem Standort.

Leider ist ab 2007 keine der Pflanzen am Fundort mehr vorhanden! Der Grund: Man hat den Ablauf (Quelle des Bachlaufes) direkt unterhalb der heißen Quellen umgeleitet und somit ist die gesamte Seerosenpopulation im ehemaligen Bachlauf einfach vertrocknet.

Die Entdeckungsgeschichte:

Nymphaea thermarum wurde 1985 von dem Biologiestudent Eberhard Fischer in Ruanda entdeckt. Grund dieses Studienaufenthaltes war die Erforschung der Flora und Vegetation in den Bergregenwäldern des Nyungwe-Nationalpark (Veranstalter UNI Mainz / Land Rheinland Pfalz).  Der Fundort von Nymphaea thermarum ist zwischen der Stadt Bugarama (Pref. Cyangugu) und Nyakabuye bei den heißen Quellen Mashyuza am Kalksteinbruch vom Zementwerk CIWERWA entdeckt. Nymphaea thermarum wuchs dort in 1000 m Höhe in einem Bachlauf, der von den dort reichlich vorhandenen thermalen Quellen gespeist wird. Die heißen Quellen kommen mit 38°C aus dem Boden und am Fundort betrug die Wassertemperatur ungefähr 24°C. Diese Art konnte bisher nur bei den heissen Quelle Mashyuza nachgewiesen werden.  Die vom Fundort entnommenen Pflanzen wachsen noch heute im Botanischen Garten der Universität Mainz. Die wissenschaftliche Beschreibung der Nymphaea thermarum erfolgte im Jahre 1988. Zu diesem Zeitpunkt war Herr Fischer wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Spezielle Botanik an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.

Die Blüte von Nymphaea thermarum ist cremigweiß, offene Sternform, ca. 2-4 cm Ø und die Blätter haben ca. 5 cm Ø

Seit 1998 lehrt Herr Prof. Dr. Fischer Botanik an Universität Koblenz-Landau, aber während seiner Tätigkeit von 1991-1997 als Wissenschaftlicher Assistent bei Prof. Dr. W. Barthlott am Botanischen Institut der Universität Bonn besuchte Herr Prof. Dr. Fischer auch wieder den Fundort von Nymphaea thermarum in Ruanda und entdeckte 1993 im weiteren Verlauf des Baches noch weitere kleine Seerosen. Doch darüber im Teil 2.....

Henner Breukel



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Henner Breukel

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